Logo

Onlinepresse

Global Appeal - Kabir Bedi


5. September 2005
Nick Awde


Der Schauspieler Kabir Bedi, der gegenwärtig in dem West End Stück 'The Far Pavilions’, welches jetzt nach 5 Monaten beendet wird, ist auch in zahlreichen Theater-, Film- und Fernsehrollen zu sehen. Nick Awde zeigt auf, wie der Sohn eines kommunistischen Sikhphilosophen und einer buddhistischen Nonne seinen Weg als Bollywood Star gemacht hat Kabir Bedi

Trotz seiner Arbeit auf drei Kontinenten bei Film und Fernsehen fand Kabir Bedi stets Zeit, zur Bühne zurückzukehren, wenn auch nicht so oft wie er es sich wünschen würde.

"Es gibt kein größeres Vergnügen, als auf der Bühne zu stehen, weil alles für Dich arbeitet", sagt der in Lahore geborene Schauspieler. "Das Licht ist auf einen gerichtet, das Publikum ist da, es ist eine Darbietung ohne Unterbrechung. Im Film gibt es fortwährend Unterbrechungen - es wird von hinten nach vorne gedreht und man ist an verschiedenen Drehorten.“

Nach einer fünfjährigen Werbekarriere in Bombay hinter der Kamera für Firmen wie Ogilvy & Mather gemacht, ging Bedi mehr und mehr dazu über, selbst im hektischen Theatergeschäft zu arbeiten. Aber, so hoch das Profil von Bombays Theater auch sein mag, so lassen sich doch Rechnungen nicht immer damit bezahlen, so dass Bedi sich wegen des nötigen Kleingeldes Film und Fernsehen in Indien und anschließend im Ausland zuwandte, um einen gelegentlichen Theaterauftritt machen zu können.

"Genau betrachtet, spiele ich wahrscheinlich einmal alle acht bis zehn Jahre am Theater, aber ich versuche, eine größere Rolle zu übernehmen und es zu einem großen Ereignis zu machen."

Derzeit ist er in dem Stück 'The Far Pavilions' am Shaftesbury Theater in einer Hauptrolle zu sehen, leider muss die Veranstaltung vorzeitig abgebrochen werden. Dieses Stück markiert Bedis West End Debüt.

"Es ist eine interessante Geschichte. Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde das Stück 'The Far Pavilions' von HBO für eine Miniserie verfilmt. Mir wurde die gleiche Rolle, die des Khan Sahib, angeboten - es ist eine zentrale Rolle, eine, die vielfach mit der Geschichte verbunden ist. Der Charakter ist faszinierend zu spielen. Aber damals drehte ich für den Bondfilm Octopussy und es überschnitt sich, so dass ich die Rolle nicht spielen konnte. Omar Sharif spielte die Rolle stattdessen. Ich war tief enttäuscht, und als ich daher darum gebeten wurde, die Rolle in der Musicalversion zu spielen, ergriff ich die Gelegenheit ".

Bedi wurde in Lahore, vor der Abspaltung von Indien, geboren. "Meine Mutter war ein Mädchen aus Derbyshire, sie lernte meinen Vater kennen, als sie beide in Oxford studierten. Sie heirateten im dortigen Standesamt und gingen dann zurück nach Indien, um gegen die Briten zu kämpfen."

Sein Vater Baba war Kommunist, während seine Mutter Freda eine Anhängerin Gandhis war. In den Jahren nach der indischen Unabhängigkeit nach 1947, setzten beide ihren eigenen spirituellen Weg fort - Baba als Sikhphilosoph, Freda als buddhistische Nonne. Das heimische Wohnzimmer wurde eine einzigartige Zone der Gelehrsamkeit für ihren Sohn, wo Künstler, Schriftsteller, Dichter Filmproduzenten, Denker, ehemalige kommunistische Revolutionäre und Spiritisten aller Art Besuche machten.

Als er merkte, dass sein Schicksal ihn zur Schauspielerei zog wurde diese schnell sein Antrieb - zunächst in Indien und Italien, dann für kurze Zeit in England mit Filmen wie 'Der Dieb von Bagdad’ und 'Octopussy’ und 12 Jahre während der 80er und 90er im amerikanischen Fernsehen. "Dann ging ich zurück nach Bollywood und wieder zurück nach Hollywood - es ist das umherziehende Leben eines internationalen Schauspielers gewesen."

"Das letzte Theaterstück, das ich machte, war 'Othello’ in Bombay unter der Regie des indischen Regisseurs Alyque Padamsee, der einer der wichtigsten Theaterregisseure Asiens ist. Es war ein interessanter 'Othello’, weil verschiedene östliche Elemente eingebracht wurden - er ging in seiner Krise zu seinen maurischen Wurzeln zurück und geißelte sich selbst, traditionell eine muslimischen Form der Sühne."

1971 beeindruckte Bedi in Mumbai als Titelheld in dem Stück 'Tughlagh’ als Mughalkönig, ein Visionär, der für verrückt gehalten wurde. Das Drama, geschrieben von Girish Karnad, war ein Riesenhit und brachte alle möglichen Produzenten zu dem jungen Star.

Und nun, so viel später, überrascht es nicht, dass Bedi die Rückkehr zum Theater als eine Art Experiment betrachtet. "Die Sprache des Films unterscheidet sich von der des Theaters, so dass man dazu tendiert, gewisse Arbeitsweisen des Theaters zu vergessen. Es gibt sich schnell.“

Die Regisseurin von 'The Far Pavilions' ist Gale Edward, die 'Jesus Christus Superstar’ und andere Shows gemacht hat und bei der Produktion 'Les Miserables' mit Trevor Nunn gearbeitet hat. Mit ihr zu arbeiten, war für Bedi wie der Masterclass beizuwohnen.

"Es war eine steile Lernkurve, weil ich drei Filme hatte, die fertig werden mussten, bevor ich anfangen konnte. Das Theater rühmt sich indes damit, keine Verbeugung vor Stars zu machen. Und so springt man von in einem klimatisierten Trailer mit bedienenden Assistenten, zu einer Halle auf einem Stuhl ohne eigenem Namen, während Proben laufen."

Die neusten seiner 140 bemerkenswerten Filme und Fernsehserien sind die italienische Komödie 'Andata+Ritorno' unter der Regie von Marco Ponti und ein Film in der Art von 'Bend it like Beckham', mit dem Namen 'Take 3 Girls’, ein anglo-indisches Stück, das im Laufe des Jahres herauskommen wird. Ebenfalls bald veröffentlicht wird 'Taj Mahal - An Eternal Lovestory', ein aufwändiges Bollywood Epos. Es ist einer der größten Filme, die derzeit in Indien herausgebracht werden, die Geschichte wird durch Bedis Rolle, den Kaiser Shah Jahan, dem Bauherrn des sagenhaften Palastes in Agra, erzählt.

Dennoch, deutlich beschäftigter als je zuvor, gibt Bedi zu, dass es selbst für ihn in der Vergangenheit magere Zeiten gegeben hat: "Es gab einige sehr schwierige Jahre in Hollywood, besonders weil der Markt für ausländische Schauspieler dort sehr dünn ist." Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, Rollen in den beliebtesten Fernsehserien zu bekommen, so wie in 'Reich und Schön'.

Wie es einem wahren internationalen Künstler zusteht, arbeitet er mit gleicher Leichtigkeit auf Englisch, Italienisch und Hindi - und die Dreharbeiten können häufiger einem großen Turmbau zu Babel werden.

"In Italien kann es passieren, dass es vier verschiedene Schauspieler, die vier verschiedene Sprachen sprechen, für dieselbe Szene gibt, weil die Italiener der Meinung sind, dass sowieso alles synchronisiert wird. Aber für uns war es die Hölle, weil uns gesagt werden musste, was die anderen sagen, und wir uns an unseren Text phonetisch erinnern und so schauspielern müssen als ob wir alles verstanden hätten.

"Aber genau das ist es, was es so vielseitig macht. In Bollywood beispielsweise geben sie einem auch heute noch den Text während der Dreharbeiten. Die Geschichte wird einem erzählt und das Script wird Szene für Szene am Drehort vorgelegt, so dass man ein sehr gutes und aufnahmefähiges Gedächtnis entwickelt. Es ist ein Verdienst der Bollywoodschauspieler in den meisten Fällen glaubwürdige Leistungen zu bringen, trotz dieser willkürlichen Umstände."

Seine künftigen Pläne beinhalten die Absicht, ein paar Monate Auszeit zu nehmen, um ein Buch über seine Familiengeschichte zu schreiben, "weil ich denke, dass es eine Geschichte darüber zu erzählen gibt, wo wir angefangen haben". Vielleicht gibt das ihm auch Zeit, seine außergewöhnliche Karriere auszubauen.

"Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit in 'The Far Pavilions', 'Taj Mahal' und auf einige Filme, die ich in Bollywood gemacht habe, besonders auf meine Auftritte in 'Main Hoon Na' und 'Bewafaa'. Aber hinsichtlich meiner emotionalen Favoriten ist meine Titelrolle in der europäischen Fernsehabenteuerserie 'Sandokan' etwas besonderes für mich, weil sie die Türen nach Westen für mich öffnete. Ich genoss es bei 'Octopussy' dabei zu sein, weil es wegweisend ist, ein Bösewicht in einem Bondfilm zu sein und bei der weltweiten Legion der 007 Fans bekannt zu sein."

Bedi ist gerade mit dem Asian Jewel Award geehrt worden, der von dem Londoner Institute of British Asian Professionals vergeben wird. Er kann diesen neben zwei weiteren Preisen für sein Lebenswerk platzieren, einen vom Advertising Club in Mumbai, dem ersten Industrie Forum, als Anerkennung für seine Leistungen in der Werbung und einen vom Capri Hollywood Festival.

"Aber ich denke, wenn ich aufzählen soll, worauf ich stolz bin, ist es die Tatsache ist, dass ich in der Lage gewesen bin, über drei Jahrzehnte eine internationale Karriere auf drei Kontinenten in Film, Fernsehen und Theater aufrechtzuerhalten und lebe, um die Geschichte zu erzählen."

Quelle: The Stage