Schauspieler Kabir Bedi über Sandokan, festgelegte Rollen und die 'innere Freude' in Indien zu leben
27. Oktober 2008
Rob Camerons Gast auf One on One, ist in dieser Woche Kabir Bedi, einer der bekanntesten Schauspieler Indiens und einer der wenigen, die den schwierigen Sprung von Bollywood nach Europa und Hollywood gemacht haben. Kabir hatte schon Dutzende von Filmen gemacht, bevor er in den 70ern die Hauptrolle in der Fernsehserie Sandokan bekam, eine Rolle, die ihn ein Heer von Fans überall in Europa und besonders in der kommunistischen Tschechoslowakei bescherte. Kabir Bedi war vor kurzem in Prag, als Ehrengast der den Bollywood Filmfestspiele und Radio Prag fragte den Schauspieler, wie er sich den großen Erfolg von Sandokan erklärt.
„Nun, Sandokan kam zum richtigen Zeitpunkt und es war die richtige Geschichte für diese Zeit, und der Erfolg der Musik half natürlich sehr. Aber es war gleichzeitig eine Geschichte über den Kampf gegen Unterdrückung. Es ging auch um einen Menschen und den Drang dieses Menschen, das Leben nach seinen eigenen Wünschen zu führen. Es war auch eine epische Liebesgeschichte aus dieser Romeo und Julia Sicht - Sandokan verliebte sich in ein englisches Mädchen, die Tochter seiner Feinde - und allem, was er opfern musste, um diese Liebe zu bekommen. Und, wenn Sie die Serie gesehen haben: Sie wurde im schönen Dschungel, auf wunderbaren Meeren, in einer unverschmutzten, sauberen Welt gedreht, und der Sceneograph Nino Novarese, der ein Oscarpreisträger war, machte es zu einer visuellen Freude. Es war, so denke ich, als wenn Sie einen Kuchen backen. Alle Zutaten müssen perfekt zusammenpassen, damit es perfekt wird. Das ist mit Sandokan passiert. Alle diese Elemente konspirierten, um es erfolgreich zu machen."
Die Sandokan Bücher handelten von diesem Kampf gegen den Imperialismus im südchinesischen Meer. Ihre eigene Familie kämpfte gegen tatsächliche britische Unterdrückung und Imperialismus im Punjab. War das etwas, was Sie an der Rolle anzog, die Tatsache, dass es Echos in Indiens tatsächlichem Kampf für Unabhängigkeit gegen den Briten hatte?
„Ich habe immer gesagt, dass mein Vater vielleicht der wirkliche Sandokan war. Er traf meine Mutter, die von Geburt britisch war, in Oxford war. Er versprach ihr nichts als Kampf und Schwierigkeiten, weil er beabsichtigte, nach Indien zurückzugehen, um gegen die Briten zu kämpfen. Sie ging mit ihm nach Indien zurück und war eine Anhängerin Gandhis und führte gewaltlose Demonstrationen in unserer Heimatstadt von Dera Baba Nanak im Punjab an. Er war Anführer des Gewerkschaftsbundes und Kommunist und glaubte an einen mehr agitationalen Ansatz. Beide wurden für ihre Rolle im indischen Freiheitskampf gefangen genommen. Also ja, in diesem Sinn hat es mich sehr inspiriert. Aber der Grund, warum ich die Rolle annahm, war, weil es eine Gelegenheit war, dass es mich aus Bollywood führte, und ich diese Gelegenheit gesucht hatte. Als sie auf ihrer Tour nach Bombay kamen, um einen Sandokan zu finden, der diese Rolle spielt, war ich der erste Schauspieler, den sie trafen. Sie baten mich, auf eigene Kosten nach Rom zu kommen, um Vorzuspielen und das ich tat. Und niemand hat sich das Ausmaß des Erfolgs wohl vorstellen können, der dann eintraf, aber für mich war es sicher eine Tür in den Westen, und ich nahm sie in der Minute mit großer Freude an, als ich das Vorspielen gewann, und die Rolle bekam."
Wie Sie sagen, brachte es Ihnen großen Erfolg, aber waren Sie besorgt, auf diesen Typen festgelegt zu sein? Gab es Zeiten, wo Sie wünschten, dass Sandokan seinen Kampf mit diesem Tiger verlieren möge?
„Nun, es ist wahr, dass der Erfolg von Sandokan ein etwas zweischneidiges Schwerts für mich als Schauspieler war. Weil ich so mit dieser Rolle identifiziert wurde, dass es schwierig für Regisseure war, mich in einem sozialen Film zu besetzen. Ich meine, man macht einen Film über das normale Leben, und ein Sandokan kommt herein, das unterbricht die Handlung. Also ich realisierte das und beschloss deshalb, mich weiter in Richtung England und Hollywood zu bewegen, um meiner Karriere nachzugehen. Und es brauchte einige Zeit, bis man begann, mich wieder in Europa zu besetzen."
Es scheint in letzten Jahren einen großen Zufluss britischer Stars nach Hollywood gegeben zu haben, doch es viel zäher scheint es für indische Stars in den USA zu sein, warum meinen Sie, als jemand, der diesen Wechsel erfolgreich geschafft hat, der es 'gepack' hat’, ist das so?
„Ich würde die Wörter 'es gepackt hat' in Anführungszeichen setzen. Ich packte es, in Hinsicht auf Rollen, die verfügbar waren. Das Geschäft der Besetzung im Ausland, besonders in Hollywood, ist das Geschäft von festgelegten Rollen. Wenn, ich sage, dass ich Othello spielen kann, wie ich es im Theater tat, sagen sie – ‚Nein, nein, wir können einen schwarzen Schauspieler bekommen’. Wenn ich sage, dass ich Hamlet spielen kann, sagen sie – ‚Nein, nein, wir können einen weißen Schauspieler bekommen’. Es geht nicht darum, was Sie tun können, es geht um das, was Sie sind, das entscheidet Ihre Rolle."
Ist das der Grund, warum Sie in Octopussy als Verbrecher besetzt wurden?
„Sicherlich war das einer der Gründe, warum sie mich im Bondfilm besetzen. Der Prozess, sich zu ändern ist nicht glaubhaft, weil sie keine Rollen für Ausländer schreiben. Sie sind auch nicht in der Pflicht es zu tun, - wir schreiben auch nicht endlose Rollen für Ausländer in Bollywood. So muss man grundsätzlich das sehen, was vorhanden ist, und dann damit arbeiten oder man dort rausgehen und Projekte schaffen, welche diese Rollen bieten und dann das meiste daraus machen. Es hängt auch ab wie man es werbewirksam umsetzt. Nehmen wir Ben Kingsley, der die Rolle von Gandhi spielte. Sein wirklicher Name ist Krishna Bhanji. Nun, wenn er Krishna Bhanji geblieben wäre, könnte Gandhi die einzige Rolle gewesen sein, die er jemals gespielt hätte. Aber, weil er sich ganz absichtlich als Ben Kingsley brandmarkte, wird er als britischer Schauspieler angesehen, der fähig ist, eine Anzahl verschiedener Rollen zu spielen. Das sagt er selbst. Er sagt: „An dem Tag, als ich meinen Namen änderte, hieß es anstatt 'wir kommen auf Sie zurück', ' wann können Sie anfangen?'“ Ich habe meinen Namen nie geändert, weil ich es nicht wollte. Doch ich habe es geschafft, eine dreißigjährige Karriere auf drei Kontinenten aufrechtzuerhalten, einschließlich West End in London, sechzig Bollywood Filme, Arbeitet in Europa und Hollywood in einer Art von Patchworkweg, der mir zugearbeitet hat."
Sie sind der 'indische Sean Connery' genannt worden. Sean Connery ist ein berühmter schottischer Patriot, der nicht in Schottland lebt. Kabir Bedi lebt in Indien. War das eine bewusste Entscheidung?
„Ja, ich lebte lange in L.A. und ich liebte die Stadt wegen der Art von Menschen, die dort leben, die Leichtigkeit zu leben, aber sie gab mir keine wirklich befriedigenden Rollen. Es gibt immer Arbeit in Bollywood, und ich habe auch das Gefühl, dass ich gerne mit Indien verbunden bin. Ich lebe gern in Indien. Ich bin gern Teil des indischen Ethos, wenn Sie so wollen. Es gibt das Gefühl, Zuhause zu sein. Eine Art der inneren Freude in Indien zu leben, die ich sonst nirgendwo finde."
Kabir Bedi, es ist ein großes Vergnügen gewesen, mit Ihnen zu reden.
„Danke sehr dass Sie gekommen sind und mir erlaubt haben, meine Ideen und Gefühle dieser langen Reise, zu teilen. Einer Reise, die ich mit diesem schwierige Geschäft, aufgenommen habe, die mich aber auch auf maßgebliche Weise belohnt hat."
Quelle: Radio Prag