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Das Konzept der Seelenverwandtschaft hält Menschen gefangen

9. August 2007

Kabir Bedi, etwas mehr als einundsechzig und einer von Indiens ersten und dauerhaftesten Supermodels, schreitet in die Sea Lounge und sieht, bis auf einzelne herumirrende grauen Strähne, die aus seinem, glamourös gefärbt und frisiertem Haar herausblinken, blendend aus. Großwüchsig und statuenartig zieht er noch immer die Blicke auf sich, mit einer Stimme die tief durch das langjährige Rauchen von Dunhills klingt. Bedi, Rauchen ist politisch so inkorrekt. "Aber, meine Liebe, " korrigiert er, " ich habe mein Leben damit verbracht, politisch inkorrekt zu sein."

"Ich denke, das Älterwerden schlaucht", gesteht er. "Ich habe meine geistige Vitalität und meine Liebe zur Herausforderung nicht verloren. Aber die Beine befehlen weiter zu gehen und manchmal steckt das Durchhaltevermögen ein paar Prügel ein, und man wünscht, den ganzen Unsinn nicht mitmachen zu müssen. Ich denke, dass das Altern aufgehalten werden sollte. Nimm Zusätze, übe, sei aktiv und arbeite um dem Altern entgegen zu wirken - das kann gemacht werden."

Offenbar hat er nicht nur einige internationale Projekte, sondern auch eine schöne junge Freundin, Parveen Dusanj, halb so alt wie er und jünger als seine Tochter, Pooja. "Wir sind seit zwei Jahren zusammen", offenbart er", sie ist eine Sozialforscherin, die in London geboren und aufgewachsen ist, und ich lernte sie ein Jahr, nach meiner Trennung von Nikki kennen."

Er ist entwaffnend offen, wenn es darum geht, die Dynamik seiner Beziehungen zu entschlüsseln: "Nach drei Scheidungen kann ich Ihnen sagen, dass viele Verletzungen ausgeteilt und erhalten wurden. Es gab immer einen Punkt an dem ich mich fragte, ob 'dies' der Rest meines Lebens sei. Wenn die Antwort ‚Nein’ war, war das Scheitern unvermeidlich. Ich erinnere mich daran, etwas Lustiges gelesen zu haben: Frauen heiraten Männer, weil sie denken, dass diese sich ändern, und sie tun es nicht; Männer heiraten Frauen, und hoffen, dass sie sich nicht ändern, und sie tun es doch! Was ich bemerkt habe, ist, alle Dinge, die eine Beziehung zerbrechen, bestehen von Anfang an. Man sieht es nur nicht oder will es nicht sehen. Man muss die Warnsignale rechtzeitig erkennen. Eine Frage, die wir uns stellen sollten, ist, wenn unsere Partner nicht vom anderen Geschlecht wären, wie viel Zeit wären wir dann noch mit ihnen verbringen? Was ist die Basis der Beziehung?“

Also glauben Sie nicht an den klassischen Begriff von Seelenverwandtschaft für ein ganzes Leben?

Nein, Sie können mehr als nur eine Seelenverwandtschaft haben. Ich denke, dass dieser ganze auf eine Person zutreffende Begriff viele gute Beziehungen daran gehindert hat zu bestehen. Es setzt die Messlatte zu hoch, und man erwartet Vollkommenheit in dieser einen Person. Ich denke auch, dass der Begriff eines einzigen Seelenverwandten viele Leute in tiefes Unglück stürzt und in Einsamkeit gefangen hält, sollte ein Partner sterben oder aus dem Leben verschwinden.

Warum haben Sie mehrfach geheiratet?

Aus verschiedenen Gründen. Ich denke, dass Ehe die Art der Verpflichtung ist, die Frauen mehr Gefühl für Sicherheit, finanziell, gesellschaftlich und gefühlsmäßig, gibt, und es ist dieses ewige Rätsel: Wenn man allein stehend ist, findet man die Ehe attraktiver und umgekehrt. Protima und ich schockierten Leute durch offenes Zusammenleben. Es wurden über uns Artikel geschrieben, und jeder gab seine Meinung dazu! Dann kam Pooja, und Protima sagte, dass wir nicht nur heiraten müssten, weil sie schwanger sei. Aber ich dachte, dass es unfair sei, ein Kind sozialem Druck zu auszusetzen, weil seine Eltern unkonventionell denken. Außerdem waren Protima und ich im Geist schon verheiratet, so haben wir es getan. Dann kam unser Sohn, Siddharth, und ich war ein praktizierender Vater bis ich Protima verließ.

Zerstören zerbrochene Ehen die Kinder nicht?

Ich fragte einmal einen Sikh, der in Malaysia lebte, ob er mit seinem Leben zufrieden sei. Er sagte 'Nein, ich bin nur wegen meiner Kinder hier.' Ich finde dieses Argument über anhaltendes Unglücklichsein der Kinder wegen sehr eigenartig. Ich denke, dass die eigene Reise Ihre wichtige Verantwortung ist. Meine Ansicht ist: Man sollte sein Leben führen, um seine Einmaligkeit auf die bestmögliche Weise auszudrücken. Und man sollte seine Kinder dazu ermutigen, es ebenso zu tun. Ich war immer mit meinen Kindern verbunden. Protima und ich hatten Phasen, in denen unsere Beziehung nicht zu gut lief, nachdem wir uns trennten, und Phasen, in denen es besser wurde. Aber wir waren stets um die Kinder besorgt. Ich akzeptierte meine finanziellen und gefühlsmäßigen Verantwortungen ihnen gegenüber bis dahin, dass ich mit ihnen zusammen sein konnte. Ich bestand darauf, dass sie jedes Jahr ihre Sommer- und Winterferien mit mir verbringen, und wir machten Urlaub auf der ganzen Welt, wo immer ich arbeitete oder lebte.

Wie kamen Sie mit der Tragödie des Todes Ihres Sohns zurecht?

Ich bin habe es immer noch nicht geschafft. Es ist eine Wunde, die nie heilt. Siddharth war ein großartiger Junge. Er absolvierte Carnegie Mellon, wo seine Schizophrenie in seinem letzten Jahr erkannt wurde. Er ging weiter auf die Chapel Hill University, um seinen Abschluss zu machen, und bekämpfte eine Krankheit, die keine bekannte Heilung oder Ursache hat. Sie verändert die Chemie des Gehirns, und die Medikamente, um sie zu bekämpfen, sind äußerst sedativ. Siddharth hasste die Art, wie sie ihn dazu brachten, sich fast wie ein Zombie zu fühlen. Er versuchte, sie mit Tai Chi zu bekämpfen, er kam nach Kerala, um Yoga zu lernen. Zuletzt war er mit mir am UCLA Krankenhaus, wo er zwei Wochen blieb. Als er herauskam, begann er suizid zu werden. Wir riefen Selbstmordhilfen hinzu, um ihm zu helfen, aber schließlich ging es nicht. Er wollte gehen. Protima war völlig zerstört. Es war das Traumatischste, was ihr jemals widerfahren ist. Auch ich habe mich noch nicht erholt. Aber das Leben muss weitergehen.

Sie hatten für mehrere Jahre lang eine erfolgreiche Karriere in Italien?

Das ist eine Untertreibung! Mir ist in Italien der Lifetime Achievement Award für meine Arbeit zuerkannt worden. Ich bin gerade nach fast einem Jahr, das ich dort verbracht habe, zurück gekommen. Ich habe in Italiens Nr 1 Fernsehhit 'Un Medico in Famiglia' gespielt, und ich gehe dorthin für drei Monate zurück, um 90 Folgen einer Radioshow auf einem Top-Radiosender zu machen. Rom ist mein zweites Zuhause. Es begann mit Sandokan, einer alle Rekorde brechenden italienisch-deutsch-französischen Fernsehserie. Danach sahen mich über eine Milliarde Menschen in 149 Ländern als Prinzen Omar in Reich und Schön, einer der meistgesehenen Fernsehsendungen der Welt . In den letzten 30 Jahren habe ich eine Karriere in Film, Fernsehen, Radio und Theater auf drei Kontinenten gehabt! Ich war im Finale einer italienischen Survival-Serie, wo ich auf einer Insel mit anderen Bewerbern acht Wochen mit nur wenig Nahrungsmitteln zum Überleben verbrachte. Ich verlor 12 Kilo, und meine Ehe mit Nikki ging in der Zeit auseinander, da uns sowohl meine lange Abwesenheiten als auch meine sich ändernden Lebensumstände zum Ende des Weges führten. Nach drei Jahren dessen, was man heute eine 'virtuelle' Ehe nennt, sahen wir kein Licht am Ende des Tunnels. Anschließend, während ich an der Westend Musical Adaptation der Far Pavilions am Londoner Shaftesbury Theater arbeitete, traf ich Parveen.

Würden Sie wieder heiraten?

Alles ist möglich. In diesem Augenblick weiß ich nicht ob oder wann. Aber ich weiß, dass ich sicherlich mehr aufpassen muss. Ich bin einer vierten Ehe, aber nicht einer vierten Scheidung zugeneigt. Haben Sie eine geistliche Seite? Mein Vater ist ein direkter Nachkomme vom Guru Nanak. Meine Mutter war eine englische Lady Freda Bedi, die den Freiheitskampf mit Mahatma Gandhi gekämpft hat, und in den letzten 5 Jahre ihres Lebens als Sister Palmo durch die Welt zog. Sie wurde eine buddhistische Nonne und lebte außerhalb von Sikkim, reiste aber als Predigerin und Lehrerin. Meine frühste Kindheit lebte ich in Kaschmir, wo der muslimische Einfluss auf mich stark war. Ebenso der christliche Einfluss durch meine Ausbildung in Sherwood, Nainital und dann St. Stevens College, Delhi. Ich heiratete eine Hindu (Protima) und habe in meinem Leben, aus verschiedenen Religionen das genommen, was immer mir wahr erschien. Aber ich gehöre keiner Religion an. Wenn ich gebeten werde, Formulare auszufüllen, in denen ich meine Religion angeben muss, lasse ich das Kästchen leer oder den schreibe 'Humanist'. Ich glaube nicht, dass irgendeine Religion/Institution/Person ein Monopol auf die Wahrheit hat.

Was ist Ihr innerer Glaube?

Dass die meisten Antworten in der Natur liegen. Wenn man die Komplexität und Vielfalt des Universums betrachtet, muss es eine Intelligenz geben, die dem zugrunde liegt. Sie könnten es Gott nennen.

Worauf freuen Sie sich?

Es gibt zu viel Reue. Ich könnte, ich würde, ich sollte, aber ich will darauf nicht verharren . Stattdessen freue ich mich über einige meiner kreativsten Jahre. Ich kam nach Mumbai, um ein Filmemacher zu werden. Ich war Film Chief sowohl bei der Lintas als auch bei O & M, bis ich Model und Schauspieler wurde. In den kommenden Jahren sehe ich mich weniger als Schauspieler und sondern arbeite eher kreativ an Projekten, Produktionen und schriftstellerischen Aufgaben.

Quelle: Cybernoon.com